18. Februar 2008 77. Wirtschafts-Presse-Forum






Das Wirtschafts-Presse-Forum Brandenburg lud am 18.02.2008 zu einem informativen Abend zum Thema "Solarindustrie in der Region Brandenburg" ein.

Potsdam, 21.02.2008 Manche bezeichnen die Region Brandenburg in Anlehnung an das Silicon Valley als Solar Valley. Beim Wirtschafts-Presse-Forum (WPF) berichteteten Fachleute aus Politik und Wirtschaft über die Zukunftsbranche, die uns alle vielleicht eines Tages von fossilen Energieträgern unabhängig machen wird: Solartechnik. Was manche nicht wissen: In der Region Brandenburg wird Solartechnik für den Weltmarkt produziert.
Präsident Jürgen Simmer konnte über 200 interessierte Gäste begrüßen, die wissen wollten was es ist, was internationale Solarunternehmen hierher zieht? Welche Neuerungen werden zwischen Frankfurt/Oder, Senftenberg und Potsdam entwickelt und hergestellt? Und was muss in naher Zukunft verändert werden, damit die Region noch anziehender wird?

Zunächst stellte Staatssekretär Dr. Wolfgang Krüger aus dem Wirtschaftsministerium dar, wie erfolgreich die Fotovoltaik-Branche in Brandenburg ist: "Kaum eine andere Branche hat in den letzten zwei Jahren für so viel Erfolg im Land Brandenburg gesorgt mit einem regelrechten Ansiedlungsboom." Allein im Raum Frankfurt/Oder wurden ca. 400 Mio. Euro in neue Produk-tionsanlagen investiert, in der Region Berlin-Brandenburg werden mit einem Marktanteil von 35 % deutschlandweit die meisten Solarmodule produziert. Und die Unternehmen hier in der Region entwickeln Bahnbrechendes: So ist das so genannte Dünnschichtverfahren in aller Munde. Diese Module sind dünner als herkömmliche Solarmodule und die Produktionszeit und der Materialeinsatz sind geringer. Ergebnis: niedrigere Produktionskosten, leichtere Module und ein besseres Verhältnis der beiden Größen Energieertrag zu Kosten.
Dabei bietet die Region Brandenburg eine Reihe sehr guter Voraussetzungen für die Unternehmen: sehr gut ausgebildete Fach-und Führungskräfte, Forschungseinrichtungen wie die Hochschulen in Berlin oder die Fachhochschule in Senftenberg, eine hoch entwickelte Infrastruktur und günstige Kosten.
Die Region unterstützt damit maßgeblich folgende erfreuliche Zahlen aus der Bundesrepublik: Der Umsatz der deutschen Solarstromindustrie stieg 2007 um 23 %, deutschlandweit wurden 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Gesteigert wird der Erfolg der Branche in Zukunft nicht zuletzt durch Gesetze wie das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), welches Anreize für Verbraucher schafft.
Erfolg hin oder her, Wolfgang Krüger verschwieg nicht, dass Nachbesserung in einigen Bereichen Not tut. So erwähnte er, dass in der Region noch zu wenig Forschung und Entwicklung betrieben wird; das Know-how kommt meist von außerhalb. Ferner ist die Solartechnologieforschung an den Hochschulen in Brandenburg nur wenig vertreten. Krüger schlägt eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Unternehmen sowie zwischen Unternehmen und Zulieferern vor. Erste Kooperationen gibt es bereits.

Was zieht Unternehmen in die Region? Burghard von Westerholt, Plant Manager der First Solar in Frankfurt/Oder nennt hier insbesondere die sehr gute Infrastruktur der Region. Sein Unternehmen produziert seit 2007 und ist ganz groß in der erwähnten Dünnschichttechnik. "Dünnschichtmodule der nächsten Generation" lautet der Slogan von First Solar. Die Ziele des Unternehmens sind eindrucksvoll: Bis 2009 möchte von Westerholt eine Jahresproduktion von Modulen in der Größenordnung von einem Gigawatt erreichen, das entspricht der Leistung eines Kernkraftwerkes. Um das zu erreichen, hat das First Solar 115 Mio. Euro in Frankfurt investiert und gibt rund 500 Menschen Arbeit. Diese sind dabei über Jahre mit Arbeit versorgt, da das Unternehmen grundsätzlich nur Langfristverträge über mehrere Jahre mit seinen Kunden abschließt. Damit kann First Solar seinen Mitarbeitern unbefristete Verträge bieten. Diese ordern ausschließlich in gro-ßen Dimensionen: First Solar produziert ausschließlich Module für Großdächer und Freiflächenanlagen. Das Besondere an First Solar ist, dass das Unternehmen alte Module kostenlos zurücknimmt und recycelt. "Schon heute können wir 95 % des wertvollen Halbleitermaterials zurückgewinnen und für die Produktion neuer Module verwenden", so Burghard von Westerholt.

Dass der Standort Brandenburg auch internationale Hightech Unternehmen anzieht, zeigt Jürgen Döring mit der EPV Solar. Das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat New Jersey plant ein Werk in Senftenberg. EPV Solar stellt ebenfalls Dünnfilm-Solarmodule her und wird diese Technologie für mehrere Solarstromanlagen in Europa liefern; zunächst vom Standort in New Jersey aus, ab 2008 dann Senftenberg. Dabei möchte Jürgen Döring eng mit der Fachhochschule Senftenberg und dem Institut für Solarenergie in Freiburg zusammenarbeiten.

Jürgen Döring zeigt in seinem Vortrag, wie vielseitig die Dünnschichtmodule eingesetzt werden können. Durch verschiedene Grade der Dichte in der Anordnung des Siliziums auf dem Grundträger Glas entstehen verschieden durchsichtige Flächen. Somit können auch Bauwerke mit den Dünnschichtmodulen bestückt werden, ohne dass die Ästhetik zum Beispiel eines Hochhauses beeinträchtigt wird. Eindrucksvoll schilderte er zum Schluss des Vortrags, wie die Solartechnik die Lebensbedingungen in ärmeren Ländern dieser Welt ändern könnte: Statt der in Indien gebräuchlichen gefährlichen Kerosinlampen könnten die Menschen gespeicherte Sonnenenergie als Lichtquelle nutzen: Schließlich erleiden in Indien jedes Jahr viele Menschen schwere Verbrennungen.

Unternehmen wie First Solar und EPV Solar zeigen deutlich, wie eine ländliche Region mit der richtigen Standortpolitik aus der Globalisierung ihren Nutzen ziehen kann und zum Platz für Zukunftsunternehmen wird. Die Vorträge gaben zudem eine Vorstellung, wie sehr die Region Brandenburg jetzt schon erfolgreich im Bereich der regenerativen Energien mitmischt in Deutschland und weltweit.

Das Wirtschafts-Presse-Forum Brandenburg e. V. bietet Unter-nehmern, Medien, Politikern und führenden Ministerialbeamten seit 1992 die Möglichkeit, Kontakte aufzubauen, Netzwerke zu vertiefen und Verbindungen zu pflegen.