25. Februar 2008 8. Ball der Wirtschaft

Im Boxring geriet Henry Maske nicht oft in die Defensive. Und wenn, dann war meist schnell klar: Angriff ist die beste Verteidigung. Auf diese Taktik griff Brandenburgs Box-Legende nun am Samstagabend zurück.

Maske war Ehrengast beim Ball der Wirtschaft - doch es konnte der Eindruck entstehen, der "Gentleman" sei nicht gern ins Kongresshotel Potsdam am Templiner See gekommen. Schließlich wurde fast zeitgleich im New Yorker Madison Square Garden um den Schwergewichts-Weltmeistertitel der WBO geboxt. "Ich bin ja ein ehrlicher Preuße", sagte Maske: "Natürlich wäre ich lieber dort." Als Preuße allerdings halte er auch sein Wort - und so blieb es bei der Zusage für den Brandenburger
Ball der Wirtschaft.

Dessen rund 700 Gäste - mehr als je zuvor - wussten Maskes
Zuverlässigkeit zu schätzen. Der Ex-Boxer musste viele Autogramme schreiben, gleichzeitig wurden fast alle der 2000 Tombola-Lose verkauft. Der Erlös von insgesamt 22 500 Euro geht an Maskes "Place for Kids"-Stiftung. Mit dem Geld wolle er den im Oktober begonnenen Bau der Freizeitanlage "Haus am See" in Mötzow bei Brandenburg (Havel) voranbringen, so Maske. Dort sollen Kinder und Jugendliche, die "es nicht leicht haben im Leben", durch intensive Betreuung und Sport lernen, "dass sie mehr wert sind als sie denken". Das Engagement in Brandenburg sei ihm wichtig, so Maske: "Ich lebe zwar in Köln, aber ich bin ein Brandenburger."

Als solcher feierte es sich bei der achten Auflage des Balls, den die Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK), die Handwerkskammer Potsdam und das Wirtschafts-Presse-Forum Brandenburg e.V. traditionell gemeinsam veranstalten, wohl besonders gut: 2007, so wurde allzeit erinnert, sei seit der Wende das erfolgreichste Jahr für das Land Brandenburg gewesen. Die Stimmung und auch die Auftragslage vieler Unternehmen seien weiterhin gut, sagte IHK-Präsident Victor Stimming. Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) sah eine "Freude am Erfolg" bei den Ballgästen. Das Selbstbewusstsein der Wirtschaft im Land sei 2007 erheblich gewachsen, so der Minister. Das wichtigste Thema 2008 sei die neue Energiestrategie, so Junghanns. Damit lag er bei den Unternehmern richtig, denn neben dem starken Euro war der hohe Ölpreis oft Debattenthema.

Allerdings ging es am Ballabend vor allem vergnüglich zu. Junghanns schunkelte mit seinen Tischnachbarn, darunter auch Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe, Matthias Platzeck und Innenminister Jörg Schönbohm waren oft auf der Tanzfläche zu finden. Allein der Auftritt des musikalischen Stargastes Roland Kaiser ließ manchen Ballgast eher sorgen- als freudvoll zur Bühne blicken - der Sänger wirkte gesundheitlich angeschlagen.

BALLsplitter

Katherina Reiche glänzte beim Ball der Wirtschaft in einem raffinierten Kleid der Berliner Designer "Revanche de la Femme". Allerdings musste die CDU-Bundestagsabgeordnete zu Beginn allein über den roten Teppich schreiten: Ihr Mann Sven Petke, CDU-Landtagsabgeordneter, drückte noch den Luckenwalder Ringern die Daumen. Künftig kann er das öfter tun, denn die Familie Reiche/Petke will aus Potsdam nach Luckenwalde - die
Heimatstadt von Katherina Reiche - umziehen. Das habe rein private Gründe, sagte die Politikerin, "politisch bleibe ich in Potsdam".

Aufmerksame Beobachter hatten schon bei der Ankunft am Kongresshotel Potsdam am Templiner See den Mannschaftsbus erspäht: Das Hotel war am Samstagabend auch Gastgeber für das Team des Fußball-Regionalligisten Eintracht Braunschweig. Die Kicker verbrachten offensichtlich trotz des Ballgetöses nebenan eine ruhige Nacht - schließlich gewannen sie am
gestrigen Sonntag mit 2:1 gegen den SV Babelsberg 03.

Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) erlebte am
Samstagabend ihre Wirtschaftsball-Premiere. Bisher hatte sie das gesellschaftliche Ereignis nicht besucht, gestand die Politikerin, die ein elegantes, roséfarbenes Ball-Kostüm trug. Die Verwandlung des Kongresshotels mit seiner modernen Architektur in einen stimmungsvollen Ball-Ort fand Wankas Beachtung - denn wie der Büfett-Saal aussah, als dort der jüngste CDU-Parteitag stattfand, daran erinnerte sie sich noch
deutlich. Auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) lobte das Gestaltungstalent der Hotelchefin Jutta Braun - "die Handschrift der Hausherrin ist spürbar", sagte er.

Von Jann Jakobs hatte Box-Legende Henry Maske schon gehört. "Sie sind also der Nachfolger von Matthias Platzeck", fragte der "Gentleman" neugierig, als Potsdams Oberbürgermeister ihn begrüßte. Ja, das sei er, sagte Jakobs - und kam dennoch um weitere Erklärungen nicht herum. Maske, der von seiner guten Beziehung zu Platzeck schwärmte, wollte es ganz genau wissen. Jakobs erläuterte also humorvoll: "Der Matthias hat gesagt, so, Du machst das jetzt, und dann haben sie mich auch gewählt."

 

Fotos: Andreas Klaer