01. Dezember 2008 81. Wirtschafts-Presse-Forum: Wir brauchen in Brandenburg eine bessere medizinische Infrastruktur

"Die Gesundheitswirtschaft ist eine der wichtigsten Zukunftsbranchen des Landes und muss sich zukünftig großen Herausforderungen stellen", machte Dagmar Ziegler den Auftakt der Veranstaltung in Potsdam. Privatisierung von Krankenhausbetrieben, börsennotierte Krankenhausgesellschaften auf der einen Seite und sich verstärkender Kosten- und Rationalisierungsdruck auf der anderen Seite, forderten insbesondere öffentliche Kliniken in Deutschland heraus.

Wie beispielsweise das Städtische Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam nach einer erfolgreichen Investition von mehr als 60 Millionen Euro zukünftig als Gesundheitspark diese Herausforderungen meistern will, berichtete Steffen Grebner, Geschäftsführer des Klinikums.

"Ein Krankenhaus ist immer auch ein Unternehmen", sagte Steffen Grebner und meint damit natürlich auch sein Haus, indem er momentan dafür sorgt, dass alte Strukturen aufgebrochen, neue Zukunftsbereiche ausgebaut und der Service verbessert werden - und das in bester Qualität sowie mit möglichst wenigen Mitteln. Der ökonomische Leitgedanke prägt auch die Zukunft im Klinikum in Potsdam.

Kosten sparen will das Klinikum zukünftig vor allem, indem es unter anderem OP-Umrüstzeiten, Wegestrecken zwischen Stationen oder Untersuchungsräumlichkeiten oder Wartezeiten verkürzt sowie die enge Kooperation mit niedergelassenen Ärzten und Partnerkrankenhäusern fördert. "So können wir beispielsweise unnötige Doppeluntersuchungen vermeiden", sagte Steffen Grebner.

Mit der Realisierung des Gesundheitsparks will das Klinikum die gesamte medizinische Versorgungskette von der Prävention über die ambulante und stationäre Versorgung bis hin zur ambulanten Reha und ambulanten Pflege bieten. Zudem werde es eine Privatstation geben. Diese wäre finanziell lukrativ sei und das hier eingenommene Geld mache Investitionen möglich, die wiederum den Kassenpatienten zugute kämen.

Steffen Grebner ist optimistisch. Doch er sieht auch große Herausforderungen auf sich zukommen. Es geht um den Personalmangel im Bereich der Medizin, die schlechte Vergütung und den fehlenden Nachwuchs. "Ich würde mich daher freuen, wenn wir ein Cluster zwischen Berlin und Brandenburg aufbauen könnten. Nicht nur ein Cluster zwischen den Bundesländern, sondern auch ein Cluster zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in den beiden Regionen, so Steffen Grebner.

Die Bedingungen dafür sind gut: "Wir haben in Brandenburg Wirtschaft und Wissenschaft in unschätzbarem Wert", sagte Dagmar Ziegler. Ziel sei es, dieses Potenzial zu nutzen und zu fördern. Vor allem in den ländlichen Regionen müssten Ärzten eine gute medizinische Infrastruktur geboten werden und medizinisches Personal wie Krankenschwestern oder Pfleger sollten vermehrt mit in die Arbeit der Ärzte eingebunden werden.


Ziegler ging auch auf die Diskussion ein, Krankenkassen zu privatisieren, um so einen besseren Service anbieten zu können. Dies sei grober Unfug, so Dagmar Ziegler. Außerdem sei der Gesundheitsfonds entgegen aller Kritik, kein, wie so oft bezeichnet, bürokratisches Monster, sondern eine Abteilung mit 20 Mitarbeitern. Der Fonds schaffe vielmehr einen Ausgleich und sei ein Segen vor allem für die neuen Länder. Auch die Diskussion, zwischen Gesetzlicher Krankenversicherung und Privater Krankenversicherung zu trennen sprach Ziegler am Montag an. Dies sei ökonomisch nicht sinnvoll. Eine Bürgerversicherung einzuführen hingegen sehr.

Schlagworte wie einheitlicher Krankenkassenbeitragssatz oder Gesundheitsfonds beherrschen seit langem die Medien. Wie sich die größte Einzelkrankenkasse in Brandenburg als Mitglied des größten Krankenkassenverbundes mit 24 Millionen Mitgliedern in Deutschland für die Zukunft rüstet, berichtete Frank Michalak, Vorsitzender des Vorstandes der AOK Brandenburg: "Unsere größte Aufgabe ist es, zu erkennen, welchen Zielgruppen wir uns als AOK Brandenburg zuwenden sollen", sagte Frank Michalak. Der Renten-Anteil am Versichertenbestand der AOK Brandenburg beträgt 58,8 Prozent. Die AOK will sich stärker die jüngeren Mitgliederkreise erschließen.

Die Antwort auf diese Frage sei klar: "In Brandenburg gibt es immer weniger junge und immer mehr ältere Menschen", so Frank Michalak. Michalak will wie Dagmar Ziegler Chancen nutzen und ausbauen. Er will zudem den Transfer von Ausbildung, Fachärzten, Experten fördern und Netze bauen, um die Gesundheitswirtschaft auf gesunde Beine zu stellen.


www.aok.de
www.klinikum-ernst-von-bergmann-potsdam.de
www.masgf.brandenburg.de